Zauberhaftes Stadthotel im Herzen Berlins - Hôtel magique au coeur de Berlin

Seit 1986 - Since 1986 - Depuis 1986

Geschichte 

Unser Haus hat viele Geschichten zu erzählen. Hier ein Auszug aus der Datenbank der Senatsentwicklung:

"Großzügig und vornehm waren die Wohnungen im Doppelmietshaus Alt-Moabit 89-90, die der Baumeister Peter Madsen (siehe Foto) für den Mühlenbesitzer F. W. Schütt entwarf und mit Otto Harnisch 1892-93 ausführte. Die schon im Straßenbild durch eine einheitliche Neorenaissancefassade auffallende Mietshausanlage überrascht, wenn man die Innenhöfe betritt. Jeweils zwei etwa 40 Meter lange Seitenflügel begrenzen einen lang gestreckten Hofraum, der nach Süden offen ist. Dort erstreckten sich kleine Gärten, die zum anschließenden Mühlengelände überleiteten. Hofmaurermeister Gustav Clemens fügte an die Seitenflügel 1898 verglaste Loggien an. Die Gärten sind heute teilweise noch vorhanden. Der ungewöhnliche Grundriss ergab sich aus dem Zuschnitt der Parzellen. Der zusammenhängende Geländestreifen, der bis zur Spree reichte, gehörte dem vermögenden Fabrikanten F. W. Schütt, der in der Nähe seiner Mühle diese herrschaftliche Mietshausanlage errichten ließ. Sie besitzt ein aufwendiges marmorverkleidetes Treppenhaus mit Treppengeländern und Wohnungstüren im Stil der Renaissance. In jedem Stockwerk waren zwei großbürgerliche Neunzimmerwohnungen angeordnet, die jeweils das halbe Vorderhaus und einen Seitenflügel einnahmen. Bei Bedarf konnte im hinteren Seitenflügel eine Zweizimmerwohnung abgetrennt werden.
Sie sind heute für eine Hotelnutzung umgebaut."

Alt-Moabit 89, erbaut 1892, diente es als Wohnstätte für den Generalarzt Dr. von Illberg, Leibarzt des Kaisers. Als ein Haus des Großbürgertums logierten hier auch seine Soldaten.

Vor dem ersten Weltkrieg wohnte der Berliner Oberbürgermeister Martin Kirschner in Alt-Moabit 90/91.

In den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg wurden in einer Wohnung in Alt-Moabit 89 Gottesdienste abgehalten, da das Kirchenschiff der St. Johanniskirche nach alliierten Luftangriffen am 23. November 1943 völlig ausbrannte. Lesen Sie hier


DER TIERGARTEN

Der Bezirk Tiergarten entwickelte sich vom kurfürstlichen Jagdrevier vor der Stadt zu einem der innersten Bezirke Berlins.

Im 16. Jahrhundert nutzten die brandenburgischen Kurfürsten ein etwa 210 ha großes Areal westlich der Cöllner Stadtmauer als Wildgehege für ihre Jagdgesellschaften. Um 1700 vollzog sich unter Kurfürst Friedrich III eine erste Umgestaltung. Er ließ als Verlängerung der „Linden“ eine Allee zwischen der Residenz und dem neuen Landsitz Schloss Lietzenburg, dem heutigen Schloss Charlottenburg, anlegen. Diese Verlängerung ist die heutige Straße des 17. Juni und die Otto-Suhr-Allee. Dabei entstand der achtstrahlige „Große Stern“.
Das Gebiet hatte immer noch den Charakter eines Wildgeheges, den es unter Friedrich des Großen, der die Jagd nicht mochte, verlor. Der König beauftragte um 1740 Herrn von Knobelsdorff, den Park umzugestalten. Es wurden Statuen um den großen Stern aufgestellt, welche die Berliner respektlos „Die Puppen“ nannten. Da vom Berliner Stadtkern ein weiter Weg bis dorthin zurückzulegen war, entstand die volkstümliche Redensart für eine sich lange hinziehende Angelegenheit „Bis in die Puppen“.

1784 errichtete Friedrich der Große das Schloss Bellevue als Sommersitz für seinen jüngsten Bruder, August Ferdinand von Preußen. Heute dient es dem Bundespräsidenten als Amtssitz.

Der Gartenbaudirektor Peter Josef Lenné hatte wesentlichen Einfluss auf die Umwandlung des Tiergartens in einen Landschaftspark. Er ließ Sümpfe trocken legen und den Park durch Reit-, Fahr- und Spazierwege systematisch erschließen. Der 2. Weltkrieg zog den Tiergarten schwer in Mitleidenschaft. Brennstoffmangel sorgte für den fast vollständigen Kahlschlag. Daran anschließend wurden dort Kleingärten für den Gemüse- und Kartoffelbau angelegt. Das Haus, in dem sich das Hotel Tiergarten Berlin befindet, geben ein Beispiel für den in den 90er-Jahren des 19. Jh. erreichten Standards bürgerlichen Wohnens: Das Vorderhaus diente ausschließlich den Repräsentationsräumen. In langen Seitenflügeln waren die Schlafräume, ein Bad, eine Toilette, die Küche mit Speisekammer, Abstellraum und Mädchenzimmer untergebracht. Die Seitenflügel öffnen sich zu einer Gartenanlage. Diese Gartenanlage verbindet die Höfe zweier Häuser.

Noch heute vermittelt der Gang durch diese Hof- und Gartenanlage einen Eindruck beinahe klösterlicher Stille.

Im Gebäude des Hotel Tiergarten befinden sich auch Mietwohnungen, deren Mieter interessante Geschichten zu erzählen haben. So auch Peter Strzelczyk - wie aus dem "Mietermagazin 0615" zu entnehmen ist:

Peter Strzelczyk wusste immer, dass das Haus seiner Großeltern etwas Besonderes war. Er hat sie oft besucht und sich eingehend mit der Geschichte des schönen Gründerzeitbaus beschäftigt. Der ist eng mit den Namen Schütt und Kampffmeyer – bedeutender deutscher Mühlenunternehmer – verbunden und zählt zu den schönsten Wohngebäuden des Bezirks Tiergarten. Heute wohnt der Enkel nicht nur in der Wohnung der Großeltern – er hat sogar den Mietvertrag übernommen, den diese vor 80 Jahren unterschrieben haben.

Wenn Peter Strzelczyk seinen Mietvertrag in die Hand nimmt, geht er sorgsam zu Werke: Vier Seiten, hier und da schon ein wenig brüchiges, vergilbtes Papier. „Deutscher Einheitsmietvertrag“ steht auf dem Dokument – und am Ende das Datum 23. Mai 1935. Der Vertrag trägt die Unterschriften von Kurt Herrmann und „seiner demnächstigen Ehefrau“ Liesbeth Dannehl – „… meine Großeltern“, erklärt Peter Strzelczyk. „Damals waren sie noch nicht verheiratet, sondern erst verlobt.“ Dass das junge Paar dennoch die 73 Quadratmeter große Wohnung in dem repräsentativen Gründerzeithaus mit der Adresse Alt-Moabit 89 gemeinsam beziehen durfte, hing mit dessen Vermieter zusammen, der Friedrich Wilhelm Schütt AG. Schütt, ein Berliner Bäckermeister, hatte 1875 zwischen Stromstraße und Spreeufer die größte dampfbetriebene Kornmühle Berlins errichtet. Kurt Herrmann war Bürovorsteher der Rechtsabteilung des Unternehmens und bekam wohl auch deshalb die Wohnung in einem Haus des Bäckermeisters.

Bereits 1880 hatte Schütt die Mietshäuser gleich neben seiner Mühle gebaut. Moabit – seit 1861 nach Berlin eingemeindet – gehörte industriell, aber auch als Wohngegend zu den aufstrebenden, den „besseren“ Stadtteilen. Die Mieter in Schütts Häusern waren gesellschaftlich gut situiert und solvent. So wohnte im Haus 91/92 vor dem Ersten Weltkrieg beispielsweise der Berliner Oberbürgermeister, in die Nummer 89/90 zogen viele hohe Offiziere aus den Kasernen der nahen Invalidenstraße.

Kurt und Liesbeth Herrmann bezogen Mitte der 1930er Jahre im Seitenflügel eine Wohnung mit zwei Zimmern, einer Küche, einem Korridor und einem Bad. Im Mietvertrag standen dazu ein Keller- und ein Bodenraum. Der Dachboden war übrigens zugleich Waschküche und Trockenplatz. Dafür zahlten sie einen „Mietzins“ von 720 Reichsmark im Jahr – ein monatlicher Abschlag war bis zum dritten jeden Werktags zu entrichten. Wer damit 10 Werktage in Verzug geriet, riskierte die fristlose Kündigung.

In dem vergilbten und brüchigen Mietvertrag aus dem Jahr 1935: „Wenn ich mir die vertraglichen Bestimmungen und auch die Hausordnung ansehe“, sagt Peter Strzelczyk, „so sagen die schon was über damalige Lebens- und Wohnverhältnisse aus. Andererseits ist so manche vertragliche Bestimmung den heutigen nicht ganz unähnlich.“  

Da ist im Vertrag vom pfleglichen Umgang mit Haus und Wohnung die Rede: „Der Mieter haftet für durch ihn oder Familienangehörige entstandene Schäden.“ Ob er renovieren oder kleinere Reparaturarbeiten durchführen lässt, kann er selbst entscheiden. Will oder muss sein Vermieter bauliche Veränderungen vornehmen, so hat der Mieter kein Einspruchsrecht. Handwerker muss er in seine Wohnung lassen. Und wer untervermieten will, braucht dafür die Zustimmung seines Vermieters.

„Von meiner Oma weiß ich, dass der Vermieter sehr oft persönlich nach dem Rechten geschaut hat“, erzählt der Enkel. Das war irgendwann nicht mehr Friedrich Wilhelm Schütt, sondern Kurt Kampffmeyer, der die Mühle an der Spree übernommen, elektrifiziert und in sein Imperium eingebaut hat. Obwohl er jahrzehntelang der größte Industriemüller Deutschlands war, kam er regelmäßig persönlich über den Hof. „Wenn da was nicht stimmte, hat er es in Ordnung bringen lassen.“

Zwischen 1943 und 1945 sind keine Einträge im Mietzahlungsbüchlein.

Peter Strzelczyk blättert in dem kleinen schwarzen Büchlein, in dem jede Mietzahlung akribisch vermerkt worden ist: „Ich hab meine Oma nie gefragt, warum die Kästchen in den Jahren zwischen 1943 und 1945 leer geblieben sind.“ Wurde in dieser Zeit, in der schon Bomben auf Berlin fielen und der Großvater zur Wehrmacht eingezogen war, etwa keine Miete gefordert?

Sicher ist: Die vierköpfige Familie hatte Glück. Der Vater kam aus dem Krieg zurück, und die Gründerzeithäuser 89/90 und 90/91 blieben von Bombenschäden nahezu verschont. Nur eine Luftmine war zwischen Wohnhöfen und Mühle explodiert. Sie hatte das Glas der Fenster und Türen zerbrochen, den Stuck abplatzen lassen und Leichtbauwände in den Wohnungen beschädigt. Aber die Häuser selber blieben stehen und bewohnbar.

Ein Haus mit Qualitätssiegel

Peter Strzelczyk hat ein weiteres Dokument aus seiner Mappe geholt, es trägt das Datum 10. Februar 1955.

Der Bauunternehmer Max Däul aus der Köpenicker Straße in „Berlin SO 36“ hatte den Auftrag erhalten, die Gründerzeitgebäude zu begutachten und Instandsetzungsmaßnahmen für die Straßenfronten und auch die Hofseiten vorzuschlagen. Er tat dies mit großem Respekt vor der noch erhaltenen Bausubstanz. Bei einer Überprüfung durch den Magistrat im Jahre 1914, so begründete er, hätten die Häuser das Prädikat „sehr gut“ erhalten: „Es waren in Bezug auf Ausbau und äußerer Gestaltung die am besten gebauten Wohnhäuser im Bezirk Tiergarten.“ Däul lobte die Fassadengliederung, die Symmetrie der Fenster, Erker, Gesimse, die Schönheit der erhaltenen Verzierungen – und warnte davor, den Stuck einfach abzuschlagen und die Außenwände glatt zu putzen, auch wenn dies die preiswertere Variante sei. Der Vermieter folgte dem Rat des Baufachmannes.

„Als Kind dachte ich, meine Großeltern wohnen in einem Schloss“, erzählt Peter Strzelczyk. „Ihr Haus sah so anders aus, als die grauen Fassaden ringsum.“ Vielleicht ist er deshalb ja auch Stuckateurmeister geworden, hat sich immer um die Erhaltung alter Bausubstanz bemüht, engagiert sich heute für den Aufbau eines einstigen Gutshauses in der Uckermark.

1990 meldete er Alt-Moabit 89 als seine Wohnadresse an. Da stand das Haus schon einige Jahre unter Denkmalschutz. Zwar war im Inneren vieles modernisiert worden – es wurden längst keine Kohleöfen mehr beheizt, die Loggien waren verglast, im Vorderhaus gab es keine Mietwohnungen mehr, sondern ein Hotel – aber seinen alten Charme hat das Haus bis heute bewahrt.

Als Peter Strzelczyks Großmutter 2001 starb, ging er mit ihrem alten Mietvertrag von 1935 zum Vermieter. „Dort bot man mir einen neuen an – mit einer deutlichen Mieterhöhung. Da habe ich mich an den Berliner Mieterverein gewandt.“ Mit dessen Beratung und Hilfe übernahm der heute 45-Jährige den Mietvertrag seiner Großeltern.

Wenn er jetzt aus dem Fenster schaut, blickt er auf einen Hof, der geblieben ist, wie er war. Von der Berliner Kornmühle jedoch ist nur der Ladeturm am Spreeufer stehen geblieben.

Rosemarie Mieder, Berliner Mieterverein