Der Bezirk Tiergarten entwickelte sich vom Kurfürstlichen Jagdrevier vor der Stadt zu einem der innersten Bezirke Berlins. Im 16.Jahrhundert nutzte der Kurfürst Joachim I ein 250 Hektar großes Areal als Wildgehege für Jagdgesellschaften.
Um 1700 vollzog sich unter Kurfürst Friedrich III eine erste Umgestaltung. Er ließ als Verlängerung der "Linden" eine Allee zwischen der Residenz und dem neuen Landsitz Schloss Lietzenburg, dem heutigen Schloss Charlottenburg, anlegen. Diese Verlängerung ist die heutige Straße des 17. Juni und die Otto-Suhr-Allee. Gleichzeitig entstand der achtstrahlige "Große Stern".
Das Gebiet hatte immer noch den Charakter eines Wildgeheges, den es unter Friedrich dem Großen, der die Jagd nicht mochte, verlor. Der König beauftragte um 1740 von Knobelsdorff, den Park umzugestalten.
Es wurden Statuen um den großen Stern aufgestellt, welche die Berliner respektlos "die Puppen" nannten. Da vom Berliner Stadtkern ein weiter Weg bis dorthin zurückzulegen war, wurden die Worte "bis in die Puppen" eine volkstümliche Redensart für eine sich lang hinziehende Angelegenheit.
1784 wurde unter Friedrich dem Großen das Schloß Bellevue für dessen jüngsten Bruder, dem Prinzen August Ferdinand von Preußen, als Sommersitz errichtet. Heute dient das Schloß dem Bundespräsidenten als Amtssitz.
Der Gartenbaudirektor Peter Josef Lenne hatte wesentlichen Einfluss auf die Umwandlung des Tiergartens in einen Landschaftspark. Er ließ Sümpfe trockenlegen und den Park durch Reit-, Fahr- und Spazierwege systematisch erschließen.
Der 2. Weltkrieg zog den Tiergarten schwer in Mitleidenschaft. Brennstoffmangel sorgte für den fast vollständigen Kahlschlag. Daran anschließend wurden Kleingärten für den Gemüse- und Kartoffelanbau angelegt.
Heute hat der Tiergarten zentrale Bedeutung für die Naherholung gewonnen.
Das Haus, in dem sich das Hotel Tiergarten Berlin befindet, wurde 1892 für den Mühlenbesitzer Schütt errichtet, der es als Wohnung für Offiziere vermietete.
Die Grundrissgestaltung der Wohnungen dieser Häuser geben ein Beispiel für den in den 90er Jahren des 19 Jahrhunderts erreichten Standard bürgerlichen Wohnens auch in Moabit.
Das Vorderhaus diente ausschließlich den Repräsentationsräumen der beiden Wohnungen in jeder Etage. In den außerordentlich langen beiden Seitenflügeln waren die Schlafräume, ein Bad, eine Toilette, die Küche mit Speisekammer, Abstellraum und Mädchenzimmer untergebracht. Hinter der Treppe der Seitenflügel schloss sich jeweils noch eine Zweizimmerwohnung an, die so geschnitten war, dass sie mit der Wohnung des Vorderhauses verbunden werden konnte, wodurch entlang der Schlaf- und Wirtschaftsräume ein Korridor von insgesamt 32 m Länge entstehen konnte.
Die Seitenflügel sind nicht durch ein Gartenhaus verbunden. Sie öffnen sich zu einer Gartenanlage. Diese Gartenanlage verbindet die Höfe der beiden Häuser. Noch heute vermittelt der Gang durch diese Hof- und Gartenanlage einen überraschenden Eindruck beinahe klösterlicher Stille.